Atemluftlogistik - Philosophien der Befüllung
Aus Wax.at Wissen
Die Atemschutzlogistik spielt bei größeren Brand- und Schadstoffeinsätzen eine wesentliche Rolle – doch die Philosophien dahinter können unterschiedlicher nicht sein. Besonders zwei davon sollen in diesem Artikel vorgestellt und deren Vor- und Nachteile erläutert werden. Dies ist einerseits die Befüllung der Flaschen am Einsatzort durch Fahrzeuge mit Kompressoren, wie beispielsweise in Niederösterreich und Oberösterreich praktiziert. Andernseits aber auch die Befüllung in ortsfesten Anlagen mit anschließendem Transport zur Einsatzstelle.
Inhaltsverzeichnis |
Befüllung an der Einsatzstelle
Zur Einsatzstellenbefüllung werden Fahrzeuge mit Kompressoren benötigt – diese können als Anhänger (ALA), als Wechselladeranhänger (WLA) oder auch als eigenständiges Fahrzeug (Atemluftfahrzeug – ALF, Tauchdienstfahrzeug – TDF) ausgeführt sein. Zur schnelleren Befüllung sind oft zusätzlich Pufferspeicher (in Form großvolumiger Speicherflaschen mit zumeist 300bar Fülldruck) verbaut. Auch sind Atemluftfahrzeuge hochspezialisierte Fahrzeuge für den Atemschutzeinsatz und beinhalten oft erweiterte Ausrüstung für sämtliche Einsätze unter Atemschutz, beispielsweise Schnelleinsatzzelte, Schadstoffausrüstung, Ausrüstung für den Atemschutzsammelplatz, Schläuche zur Fremdluftversorgung von CSA und anderen pneumatisch betriebenen Geräten.
Vorteile der Fahrzeuge für die Befüllung vor Ort
- Hochspezialisierte Fahrzeuge mit oftmals viel Zusatzzubehör
- Mehrere Fahrzeuge gleichzeitig Einsetzbar (bei Großeinsätzen)
- Fahrzeug kommt zum Einsatzort – bequemes Wiederbefüllen nach dem Einsatz
- Sehr flexible Fahrzeugkonzepte: Vom Spezialfahrzeug über Containerlösungen bis zu Anhänger
- Weniger Reserveflaschen benötigt
- Keine komplizierte Atemluftlogistik
Nachteile der Befüllung vor Ort
- Eigenes Fahrzeug mit zumeist geringer Einsatzfrequenz
- Teuer
- Mobile Kompressoranlagen oft nicht so leistungsfähig wie ortsgebundene Füllanlagen
- Für die meisten Brandeinsätze (Kleinbrand, Zimmerbrand, …) überdimensioniert
- Problem mit dem Ansaugen schadstoff- und rauchfreier Luft (wechselnde Windverhältnisse, Talkessel, etc.)
- Aufstellfläche muss bestimmten Anforderungen entsprechen (ebene Standfläche, …)
- Oftmals leistungsfähige Stromversorgung benötigt – ebenfalls wieder Schadstoffbelastung durch Verbrennungsmotoren
- Befüllung in Wasserbad oft nicht einfach zu realisieren
- Kompressor sollte alle gängigen Flaschen füllen können
- Enger, oft auch stark wetterabhängiger Arbeitsplatz (Hitze/Kälte, Regen bei Anhängerlösungen)
- Wenig Raum für Reparaturen und Ersatzteile
- Befüllung unter Zeitdruck: Flaschen bleiben warm und haben nach dem Abkühlen meist nicht den erforderlichen Mindestdruck
Befüllung in ortsfesten Füllstellen
Unter der ortsgebundenen Befüllung versteht man das Befüllen der Atemluftflaschen bei ortsgebundenen Füllstellen, wie beispielsweise in Feuerwehrhäusern. Anschließend müssen die befüllten Flaschen zur Einsatzstelle und die leeren Flaschen zur Füllstelle transportiert werden. Hierfür ist eine Atemschutzlogistik notwendig, die wiederum von verschiedenen Fahrzeugen übernommen werden kann. In Bundesländern mit einem entsprechenden System stehen oftmals spezielle Atemschutzfahrzeuge zur Verfügung – diese sind in etwa mit dem Atemluftfahrzeugen mit Kompressoren (siehe „Befüllung vor Ort“) zu vergleichen, haben jedoch keinen Kompressor verlastet. Diese Fahrzeuge haben oftmals eine große Anzahl an bereits gefüllten Pressluftflaschen geladen, um auch Großeinsätze ohne Pendeln bzw. zumindest die Erstphase abdecken zu können. Ebenfalls werden oftmals andere erweiterte Ausrüstungsgegenstände wie CSA, Schnelleinsatzzelte und Ausrüstung für den ASSP mitgeführt. Wirklich sinnvoll ist so ein Konzept erst dann, wenn alle Feuerwehren in der Umgebung dieselben Flaschensysteme (z.B. 300bar Stahlflaschen) einsetzen. Sehr einfach und flexibel kann die Atemschutzlogistik mit den weitverbreiteten Logistikfahrzeugen hergestellt werden: MTF (mit entsprechenden Halterungen oder Kisten), Versorgungsfahrzeuge oder auch Lastfahrzeuge können jederzeit die Aufgabe der Atemschutzlogistik übernehmen. Bewährt hat sich der Transport in gesicherten Transportkisten oder Rollcontainern.
Vorteile der ortsgebundenen Befüllung
- Hohe Leistung der Kompressoranlagen
- Keine speziellen Atemschutzfahrzeuge benötigt – Transport kann auch mit MTF oder VF durchgeführt werden
- Keine Schadstoffbelastung, da entfernt vom Einsatzort befüllt wird
- Witterungsunabhängig
- Befüllung im Wasserbad leicht möglich
- Keine Befüllung unter Zeitdruck: Flaschen können nach dem Abkühlen noch einmal nachgedrückt werden
- Großzügigere Arbeitsplätze
- Oft auch Atemschutzwerkstätte in der Nähe vorhanden
- ASSP kann näher am Einsatzschwerpunkt errichtet werden, da kein auf reine Luft angewiesener Kompressor vorhanden ist
Nachteile der ortsgebundenen Befüllung
- Mehrere Reserveflaschen sollten vorgehalten werden
- Transportlogistik notwendig
- Bei sehr großen Einsätzen müssen eventuell auch zusätzliche, weit entfernte Stellen angefahren bzw. zusätzliche Fahrzeuge mit Kompressoren alarmiert werden.
Vergleich der Bundesländer
Befüllung vor Ort
Folgende Bundesländer setzen im Wesentlilchen auf die Befüllung der Atemluftflaschen vor Ort:
- Niederösterreich
- Oberösterreich
Befüllung in ortsgebundenen Füllstellen
Folgende Bundesländer setzen im Wesentlichen auf die Befüllung in ortsgebundenen Füllstationen und auf den Transport der Flaschen von und zur Einsatzstelle:
- Wien
- Steiermark
- Salzburg
- Tirol
Fazit
Natürlich gibt es nicht die eine wahre, immer richtige Meinung. Welche der beiden grundlegenden Philosophien die jeweils richtige ist, muss wohl weiterhin für jedes Bundesland bzw. jeden Bezirk/Abschnitt extra entschieden werden. Grundsätzlich scheint die Befüllung an ortsfesten Füllstellen aufgrund der Abwägung aus Vor- und Nachteilen die flexiblere und günstigere Lösung zu sein – damit diese aber auch wirklich Sinn macht, muss ein entsprechendes Netz aus Füllstellen geschaffen werden, wie auch eine Vereinheitlichung der Pressluftflaschen vorangetrieben werden.
Quellen und Links
- Thread zum Thema im Forum von wax.at (ALF - Ein sinnvolles Fahrzeug?)
- Thread zum Thema im Forum von wax.at (ALF oder ASF?)
- Thread zum Thema im Forum von wax.at (Atemschutzfahrzeug)
- Feuerwehrmagazin, Ausgabe: August 2008
- Beispiel einer Baurichtlinie aus Deutschland
- Atemluftfahrzeuge mit Kompressor in Oberösterreich (FF Ried)
- Atemluft-WLA mit Kompressor der FF Sollenau
- Atemschutzfahrzeug der BF Wien
Rowa 14:27, 27. Mär. 2010 (CET)

