Aktives Zuhören
Aus Wax.at Wissen
Notsituationen, wie Unfälle oder Brände stellen für Betroffene eine hohe emotionale Belastung dar. Im Rahmen der Ersten Hilfe können diese Belastungen teilweise abgebaut werden.
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Wieso?
„Eine Möglichkeit, diese Anspannung zu reduzieren besteht darin, über das Geschehen zu reden. Von Bedeutung ist dabei, das der Betroffene den Eindruck gewinnt, dass ihm jemand zuhört und ihn ernst nimmt. Eine spezielle Form der Gesprächsführung, die für diese Situation besonders geeignet ist, ist die patientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers, auch aktives Zuhören genannt. Rogers hatte beobachtet, dass Ratschläge oder die Darstellung der Welt aus der Sicht des Zuhörers in aller Regel nicht hilfreich sind. Sondern die jeweilige Sichtweise der Dinge zählt.“ (Zitat aus dem unten genannten Buch)
Nebenbei erzielt man mit einem Gespräch die zwei Effekte, das einerseits die Wartezeit schneller vergeht, und andererseits man kontinuierlich über den Bewusstseinszustand eines Verletzten informiert ist. Allerdings sollte niemand zu einem Gespräch „gezwungen“ werden, insbesondere wenn er nicht reden kann oder unter der verbalen Interaktion leidet. Die Gesprächsthemen sind beliebig, der Betroffenen bestimmt dieses idealerweise. Wenn der Betroffene über den Notfall sprechen möchte, sollte dies möglich sein.
Aktives Zuhören
Das Gespräch ist für den Betroffenen da um ihm in der Situation zu helfen nicht uns selbst. Darum Gespräch aus Sicht des Betroffenen führen.
- Signalisieren, das man aufmerksam zuhört: Blickkontakt, Kopfnicken, "ja, mhm, ach so, aha"
- Der Helfer versucht, die Gefühle und Gedanken und die Sichtweise des Verletzten aus dessen Perspektive zu verstehen
- Mit eigenen Worten wiederholen was man verstanden hat: Sie meinen... , sie fühlen..., ich habe sie so verstanden...
- Nicht bewerten, egal was der Betroffenen sagt, denkt oder fühlt: z.B. nicht „Sie haben recht“ oder nicht „Das sehen sie falsch“.
- Keine Diskussion über Inhalte
- Keine Ratschläge, Analysen und Deutungen des Geschehens und der Äußerungen des Betroffenen
- Keine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen berichten
- Nichts versprechen
- Subjektive Probleme und Wahrnehmung des Betroffenen zählt (wer füttert meine Katze, hoffentlich regt sich meine Großmutter nicht auf, ...)
- Keine Allgemeinfloskeln wie „des wird schon wieder“, „morgen sieht die Welt schon wieder besser aus“, oder „das ist nicht so schlimm“
Kann man das?
Der eine oder andere wird nach diesen Punkten sprachlos dastehen. All diese Hinweiße kann man einzeln begründen, wobei auch hier gesagt werden muß, das es keine 100% Regel gibt. Mit Gefühl probieren und Fehler vermeiden. Zusätzlich wird im Einsatz- oder Notfall noch Stress beim Helfer dazukommen. Um dann, wenn es die Situation nahelegt, aktives Zuhören durchführen zu können, ist es notwendig, dies vorher zu Üben. In dem unten genannten Buch gibt es dazu Beispiele.
Nebenbei erwähnt
Nicht mehr Thema aktives Zuhören aber für den Vorgang als solches hilfreich bzw. wichtig
Gesprächsimpulse
Wenn der Betroffene von sich aus kein Gespräch beginnt, kann der Helfer durch unspezifische Anstöße Impulse setzten. Wenn der Betroffenen nicht reden will oder kann, trotzdem zeigen, das man da ist. z.B. Schilderung des geplanten Ablaufes. Sprich auch mit Bewusstlosen.
- Kann ich (noch) etwas für sie tun?
- W- Fragen:
- Woher kommen sie
- Was hatten sie gerade vor
- Welchen Beruf (Schule)
- Wie ist das Ganze denn passiert?
- Mit Vorsicht: Sollen wir jemanden informieren? (In Österreich: Durchführung nur durch Polizei !!!!)
Wie redet man
- Höflich bleiben, sich Vorstellen, Name nennen lassen, Fremde per Sie (nur Kinder mit Vornamen)
- Ruhig, nicht hektisch, Zeit zum Antworten lassen
- Fremdwörter vermeiden, einfache kurze Sätze
- Keine Lügen, keine Vorwürfe
- Lasse Emotionen zu z.B. weinen
Quelle
- Frank Lasogga, Bernd Gasch Psychische Erste Hilfe bei Unfällen (4. Auflage) [1]
Christian Gruber (chrisgrub77) am 29.11.2009 um 01:30 Uhr

