4 S Regeln
Aus Wax.at Wissen
Mit den 4S-Regeln sind einfache Maßnahmen zur psychologischen Ersten Hilfe - durch Ersthelfer an verletzten oder unfallbeteiligten Personen - zusammengefasst. Diese 4 Regeln besagen:
- Sag, dass du da bist und dass etwas geschieht
- Schirme den Verletzten vor Zuschauern ab
- Suche vorsichtigen Körperkontakt
- Sprich und höre zu
Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Diese Regeln dient zur psychischen Ersten Hilfe durchgeführt von Laien (Ersthelfer). Menschen sind unterschiedlich. Es gibt keine 100% Lösung. Die folgenden Regeln bieten einen oft funktionierenden Ansatz. Jedoch sollen nicht Maßnahmen um jeden Preis durchgeführt oder aufgedrängt werden. Ziel ist es, durch kompetentes verbales und nonverbales Verhalten aktiv den Betroffenen auf seinem Weg durch die Notlage zu begleiten. Alles als Ersthelfer und in keinster weise als Intervention im Sinne einer Krisenintervention oder Psychologischen Behandlung zu verstehen. Es geht darum, nicht passiv zu warten bis die Rettung da ist oder zu hoffen das der Betroffene eigentlich „eh keine Hilfe braucht“, „solange er nichts sagt brauche ich nicht antworten“ und „was ich nicht weis ...“. Nicht was ich will und möchte, sondern was der Betroffene braucht sollte unser Ziel sein. Wir kommen um zu Helfen.
Mögliche Lagen
Er oder sie ist meist unverhofft in einer Situation wo physiologische und psychologische Belastungen auftreten (Schmerzen Atemnot, Kälte, Lärm, Stille, individuelle Neuheit oder Kontrollverlust, Zuschauer... ). Jeder Mensch erlebt dies subjektiv anders je nach Alter, Bildung, Kultur und Lebenserfahrung (Coping – Strategien), usw. Daraus folgen natürliche Reaktionen wie Angst, Schuldgefühle, Gedanken (an Gesundheit, Unfallfolgen, Angehörige, Materielles), Weinen, Schreien, Aggressionen, Überaktivität, Lähmung, unpassende Ruhe und Gelassenheit, Lachen sowie möglicher Abwehrmechanismen (Regression, Verleugnung, Verdrängung, Rationalisierung).
Ziel
Die folgenden Regeln haben zum Ziel, die gravierendsten Belastungen unserer Kunden zu reduzieren. Und das als Laie ohne wissenschaftliche Ausbildung. Kompetentes menschliches Auftreten, da sein, Informationsgabe, Privatsphäre achten, aktives Zuhören.
4S–Regeln (Adaptiert für die Feuerwehr)
Regel 1: Sag, das du da bist und das etwas geschieht:
Der Verletzte soll spüren, dass er in seiner Situation nicht allein ist. Stell dich vor, (Name und Funktion), beachte die „Ebene des Betroffenen“. Informiere (abgesichert, Rettung verständigt ohne Zeitangabe)
Regel 2: Schirme den Verletzten vor Zuschauern ab:
Neugierige Blicke sind für einen Verletzten unangenehm. Weise Schaulustige zurück, schirme vor Presse ab, decke ihn zu.
Regel 3: Suche vorsichtigen Körperkontakt
Leichter körperlicher Kontakt wird von Verletzten meist als angenehm und beruhigend empfunden. Statischer Kontakt an Hand oder Schulter. Beachte die Ebene des Betroffenen.
Regel 4: Sprich und höre zu:
Sprechen kann für den Verletzten wohltuend sein. Wenn der Betroffene redet, höre geduldig zu. Bewusst aktives Zuhören. Es zählt die subjektive Sicht und Probleme des Betroffenen. Sprich auch von dir aus – selbst zu bewusstlosen. Ruhig, nicht hektisch, Zeit zum Antworten lassen, Fremdwörter vermeiden, einfache kurze Sätze: Kann ich etwas für sie tun? Woher, was, wohin? Vermeide Lügen, Vorwürfe. Lasse Emotionen zu z.B. weinen.
Willst du mehr wissen?
Weiters findet man in dem unten angeführten Buch 12 Regeln zur Psychischen Ersten Hilfe für professionelle Helfer, die aber einerseits tendenziel als Zielgruppe eher Rettungsdienstmitarbeiter haben. Und Punkte wie Selbstschutz, Taktik, Einsatzaufarbeitung oder Todesnachricht enthalten. Letzteres ist in Österreich nicht Aufgabe von der Feuerwehr (und auch nicht von einer Rettungsorganisation), Ausbildung und Handeln zum Thema Selbstschutz und Taktik setze ich sowieso voraus (obwohl man das nicht oft genug wiederholen kann). Die Psychische Situation von Einsatzkräften ist ein wichtiges Thema. Praktisch gehört das aber durch Information von Peerseite aufgeklärt und in das Bewusstsein von uns Freiwilligen gerückt und kameradschaftlich gelebt, nicht aber durch einzelne Regeln eingebunden. Wem diese 4 S Regeln zuwenig sind (bzw. die 12 Regeln), von Harald Karutz gibt es z.B. Merkblätter für Regeln zur PEH mit Kindern in verschiedenen Situationen: „KASPERLE“, „PUMUCKEL“, „SEEBÄR“, „WINNETOU“, genauer beschrieben unter [1] Diese Regeln geben einen Einblick in die Komplexität möglicher Situationen. Insbesondere weil Kinder als Opfer einen spezielleren Zugang und Umgang brauchen. Kinder sind keine kleine Erwachsene. Sie erleben Notfallsituationen anders als Erwachsene.
Mein Standpunkt
Meiner Meinung nach sollten wir psychische Erste Hilfe leisten (können) bis Spezialkräfte da sind und nicht mehr. Gravierende Fehler können und sollen wir vermeiden (nie Lügen, Hektik, Vorurteile, gezeigte Routine durch zu "technische" Hilfe). Im Prinzip spiegeln die 4 S – Regeln das verhalten eines normalen Menschen wieder. Interessant, warum man das erst wieder lernen muß. Oder wie hat meine Mutter (RK – KIT Mitarbeitern) auf meine Frage „Wie und worüber spricht man mit Betroffenen?“ gesagt: „Das kann eigentlich ein vernünftiger, normal denkender Mensch“.
Quelle
Regeln zur psychischen Ersten Hilfe für Laien (4S Regeln) wurden von Frank Lasogga und Bernd Gasch (beide Prof. Dr. an der Uni Dortmund am Institut für Psychologie) für Laien aufgestellt. Nachzulesen in ihrem Buch (siehe unten). Für uns Feuerwehrler hab ich die Regelbeschreibungen wie oben dargestellt etwas erweitert.
Literatur und Weblinks
- Frank Lasogga, Bernd Gasch Psychische Erste Hilfe bei Unfällen (4. Auflage)[[2]]
- KASPERLE“, „PUMUCKEL“, „SEEBÄR“, „WINNETOU“[3]
Christian Gruber (chrisgrub77) am 29.11.2009 um 01:30 Uhr

